An dieser Stelle ein kurzer Bericht zur Demo am 10.2. in Münster – und zu dem, was die AfD daraus gemacht hat.

Wir haben die Demo genutzt um uns mit den meisten Autoren dieses Blogs einmal zu treffen und haben natürlich fleißig mit demonstriert.

Das Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ hatte zu einer Demonstration gegen den Neujahresempfang der AfD im Festsaal des Münsteraner Rathauses aufgerufen. Das Rathaus ist bekannt für seine Rolle im westfälischen Frieden, entsprechend groß war der Unmut, dass das Rathaus der AfD aufgrund der Parteiengleichbehandlung den Zugang zum Festsaal ermöglichen musste.

Die umliegenden Geschäfte haben ein Zeichen gesetzt und Europa-Fahnen ausgehängt und die traditionelle Giebelbeleuchtung abgeschaltet. Die Demonstration fand auf beiden Seiten des Rathauses statt und verlief weitestgehend ruhig: es wurden im hinteren Bereich der Demo 2 Feuerwerkskörper gezündet, die allerdings ohne Folgen blieben und die dafür Verantwortlichen wurden von der Polizei sehr schnell ausgemacht und ohne großes Aufsehen aus der Menschenmasse entfernt.

Die Stadt selbst spricht in ihrer Pressemitteilung von einem friedlichen Verlauf und keinen nennenswerten Störungen.

Alles in Allem war die Demo für alle Beteiligten ein voller Erfolg: Die Rufe der Demonstranten waren laut Journalisten auch im Gebäude gut zu hören, es gab keine Krawalle und auch der letzte AfD-Anhänger dürfte ob der lauten „Ganz Münster hasst die AfD“-Rufe gemerkt haben, dass er nicht wilkommen ist. Für musikalische Untermalung sorgen neben den Donots, die extra ihre Live-Pause unterbrachen, Trommlergruppen, Trompetenspieler und jede Menge Trillerpfeifen und Fanfaren.

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Demoplakate. Wir danken für die Nutzungserlaubnis.

Nun kann die AfD eine solche Veranstaltung natürlich nicht auf sich sitzen lassen und sie reagierte so wunderbar passend zu diesem Blog:

Die Mär von den bezahlten Demonstranten

Der AfDMünster-Blog ging mit diesem Artikel in die Vollen:

die von unseren Steuergeldern subventionierte Antifa versagte

Die AfD greift hier die Satiremeldung der „bezahlten“ Gegendemonstranten auf. Der Witz macht in der linken Szene häufiger die Runde und wurde 2015 stark angefacht, als die JuSos spaßeshalber einen Antrag auf Erhöhung des Demosolds einreichten.

Derartige Gerüchte sind sonst in der Verschwörungsszene oder auch bei Sekten beliebt. Häufig können indoktrinierte Menschen sich nicht erklären, warum andere Menschen nicht auf die gleichen Schlüsse / die gleiche Meinung kommen wie sie. Als einfache Erklärung wird dann meist ein materialistischer Anreiz durch „die Gegner“ in Betracht gezogen.

Diese Gedankengänge zeigen sich auch in der folgenden Argumentation des Blogs:

Angereiste Gegendemonstranten

Da half auch kein Herankarren von 90 % der „Gegendemonstranten“ von weit her

[…]

In Münster wohnende Menschen waren wohl nur ca. 400 anwesend.

Die Aussage ist natürlich nicht belegbar. Selbstverständlich sind Menschen auch von weiter weg angereist, weil ihnen das Thema wichtig war. Aber davon auszugehen, dass man über 7000 Menschen „herankarren“ musste ist absolut realitätsfern, und das zeigt sich auch, wenn man sich die Veranstaltung auf Facebook einmal anschaut.

Selektive (Bild)-Wahrnehmung

In AfD Kreisen wurden schnell Zweifel an den Teilnehmerzahlen laut. 8000 Menschen konnte man sich nicht vorstellen. Gestützt wurden diese Zweifel von folgendem Bildmaterial, das auch Frau Storch für schlüssig genug hielt um es zu retweeten:

storch
Beatrix von Storch retweetete diesen Bildausschnitt, erstellt von der AfD Mannheim – Quelle war wohl der Spiegel

Wie Eingangs erwähnt fand die Demonstration auf beiden Seiten des Rathauses statt. Dass auf dieser Seite z.B. die Demobühne fehlt ist wohl nicht aufgefallen.

Die sieht man aus einer anderen Perspektive deutlich besser:

teilnehmer
Quelle: Facebookveranstaltung

Update 14.02.17 11:16

Inzwischen rudert die AfD wieder mit ihren Aussagen zurück.

Es vielen anfangs Aussagen , dass es nur 3000 Teilnehmer gegeben hätte, wovon auch nur 400-500 aus Münster selbst gewesen seien.

Nachdem die Polizei nochmal ganz klar Stellung zu den Zahlen genommen hatte, schwenkte Herr Helmut Birke von der AfD zurück und beharrte gegenüber der Westfälischen Zeitung nicht mehr auf die Zahl 3000.

„Von mir aus hätten es auch 20 000 Demonstranten sein können, das ist eine Randerscheinung.“

Auch wieder sehr gut zu erkennen, wie die AfD plötzlich die Angelegenheit ihrer falsch getätigten Äußerungen herunter spielt und versucht diese Unwahrheiten zu verharmlosen.

Man fragt sich auch, warum man so viel Wirbel um eine Sache macht, wenn sie doch nur eine Randerscheinung ist?

Herr Vorholt von der Polizei äußerte sich gegenüber der WN auch noch mal zu den „herangekarrten“ Demobesuchern:

Als reine „Spekulation“ bezeichnet die Polizei auch die Behauptung der AfD, dass bis auf etwa 400 bis 500 münsterischen Demonstranten alle von außerhalb angereist seien. Eine umfassende „Personalienfeststellung“ habe es nicht gegeben, so Vorholt, deswegen könne es hierzu auch keine seriösen Informationen geben.

 

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